Die Clubcommission legt die Studie Clubkultur Berlin 2026 vor. Die 34-seitige Untersuchung zeichnet sieben Jahre nach der ersten Clubkulturstudie ein Bild tiefgreifenden Wandels: Die Berliner Clubkultur ist wirtschaftlich verletzlicher geworden, gesellschaftlich stärker anerkannt und organisatorisch im Umbruch.
Für den quantitativen Teil befragte das Forschungsinstitut Goldmedia 163 Teilnehmer:innen, was zu 102 abgeschlossenen Interviews führte. Für die qualitative Befragung führte Martin Fuller von der Tresor Academy zwölf semi-strukturierte Leitfadeninterviews durch. Ebenfalls flossen in die Studie die Ergebnisse eines Expert:innen-Workshops ein, den die Clubcommission selbst durchführte.
Ins Auge fällt der zentrale Widerspruch, den die Studie unter dem Titel „Volle Clubs, leere Kassen” fasst: Die Nachfrage nach Clubkultur ist nach wie vor hoch: 83 Prozent der Veranstaltungen erreichen eine Auslastung von über 50 Prozent, wobei allerdings nur etwa ein Viertel aller Veranstaltungen eine Auslastung von mehr als 75 Prozent erreicht.
Trotzdem arbeiten nur noch 61 Prozent der Clubs kostendeckend, gegenüber 79 Prozent im Jahr 2017. 39 Prozent schließen das Geschäftsjahr sogar mit Verlusten ab. Nachfrage und wirtschaftlicher Erfolg entkoppeln sich also zunehmend voneinander – besonders betroffen sind mittelgroße Veranstaltungsstätten mit 201 bis 500 Besucher:innen.
Verantwortlich dafür ist ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. An erster Stelle stehen laut 85 Prozent der Befragten steigende Personal- und Betriebskosten, dann folgt die sinkende Kaufkraft des Publikums (60 Prozent) – ein deutlicher Bedeutungswandel gegenüber 2019, als vor allem Verdrängung und Flächenkonflikte im Vordergrund standen. Letztere sind allerdings keineswegs gelöst: Nur 55 Prozent der Clubs verfügen über langfristige Miet- oder Pachtverträge von mindestens fünf Jahren, was die räumliche Basis der Clubkultur weiterhin fragil macht.
Hinzu kommt eine stark prekarisierte Beschäftigungsstruktur, in der 36 Prozent der Mitarbeitenden als Minijobber:innen und nur acht Prozent sozialversicherungspflichtig in Vollzeit beschäftigt sind. So gibt die Nachtkultur als Arbeitsplatz ein problematisches Bild ab: Die Veranstaltenden leiden unter extrem gestiegenen Personalkosten, während der größte Teil der Beschäftigten in unattraktiven Arbeitsverhältnissen tätig ist.

Auch das Publikum verändert sein Verhalten. Zwar gehen die Menschen laut Studie nicht seltener aus, konsumieren aber anders: Der Alkoholkonsum ist bei über 70 Prozent der Clubs rückläufig, Aufenthaltsdauern verkürzen sich und Besucher:innen tätigen ihre Ausgaben selektiver. Ein genereller Trend zum „Soft Clubbing” lässt sich dabei jedoch nicht bestätigen – neue nüchterne Formate wie Day-Partys oder Sober Raves ergänzen die klassische Clubnacht, ersetzen sie aber nicht. Gleichzeitig erschweren steigende Eintrittspreise den Zugang zur Clubkultur für einkommensschwächere Gruppen zunehmend; 92 Prozent der Clubs stimmen zu, dass dies bestimmte Bevölkerungsgruppen zunehmend ausschließt. Entsprechend verschiebt sich auch die Einnahmestruktur der Clubs: Machten 2017 noch Gastronomie und Getränkeverkauf rund 60 Prozent der Umsätze aus, stammen 2025 knapp 59 Prozent aus Eintrittsgeldern.
Trotz der wirtschaftlichen Anspannung bleibt die kulturelle und ökonomische Strahlkraft der Clubkultur außerordentlich hoch. Sie gilt als wichtiger Standortfaktor für Berlin, insbesondere bei der Anwerbung internationaler Fachkräfte – ihr geschätzter indirekter wirtschaftlicher Beitrag von rund 2,8 Milliarden Euro jährlich übersteigt sogar den touristischen Wertschöpfungseffekt der Szene. Tatsächlich schätzen den Anteil von Tourist:innen unter Clubgästen 51 Prozent der Veranstaltenden als rückläufig ein.
Auf diesen Druck reagieren die Clubs jedoch nicht mit Rückzug, sondern mit Anpassung: Sie erschließen neue Finanzierungswege, professionalisieren ihre Programme, bauen Kooperationen aus und verankern Awareness-Konzepte zunehmend als festen Qualitätsstandard. Öffentliche Fördermittel gewinnen dabei an Bedeutung, machen aber mit nur zwei Prozent der Umsatzstruktur weiterhin einen verschwindend geringen Anteil aus – trotz eines Zugangs, der für viele Clubs mit hohem bürokratischen Aufwand verbunden ist.
Der Bericht kommt zum Schluss, dass sich die Berliner Clubkultur in einem Überlebenskampf befindet – deshalb benennt er sechs Handlungsfelder: rechtliche Anerkennung, Flächensicherung, Förderung, Arbeitsbedingungen, Zugang und politische Sichtbarkeit.







