John ‚Jammin’ Collins: Underground-Resistance-Elder-Statesman verstorben

John ‚Jammin’ Collins ist am 26. Juli in Detroit verstorben. Der DJ und Producer war in diversen Funktionen beim Kollektiv Underground Resistance tätig. Die Todesursache wurde nicht öffentlich gemacht, allerdings hatte er mit den Folgen einer Nierentransplantation zu kämpfen.

Underground Resistance würdigte ihn als „unermüdlichen Soldaten des Underground”, Detroit Techno Militia als „dauerhafte Präsenz”, ohne die die Detroiter Musik- und Nightlife-Kultur heute anders und weniger reichhaltig aussähe. „Er war für alle Ansprechpartner, alle respektierten ihn und er bevorzugte niemanden. Er war ein herzlicher, liebenswürdiger, ausgeglichener Mensch. Er war auch mit mir in der Uckermark”, erinnert sich Dimitri Hegemann vom Tresor gegenüber der GROOVE.

John E. Collins wurde in den 1950er-Jahren in Detroit geboren und zog mit seiner Familie in den Vorort Hamtramck, wo er die Grundschule besuchte. Collins wuchs mit den Klängen von Funk, Jazz, Soul und Gospel auf, seine Leidenschaft für Musik entwickelte sich früh – lange bevor Techno als Genre überhaupt existierte.

John ‚Jammin’ Collins auf dem Movement Detroit (Foto: Unbekannt)

Fürs Studium zog Collins nach Ohio: Er besuchte die Wilberforce University, eine traditionsreiche historisch-afroamerikanische Hochschule, und machte dort auch seine ersten Erfahrungen als DJ. Er schloss dort ein Biologiestudium ab. Nach dem Studium kehrte er in seine Heimatstadt zurück: Collins arbeitete zunächst als Krebsforscher, parallel dazu begann Ende der Siebziger seine Musikkarriere. Das DJing war anfangs eine Möglichkeit, sein Einkommen aufzubessern, wurde jedoch bald zu seiner eigentlichen Berufung, berichtete er später.

Collins baute sich einen Ruf in einflussreichen Detroiter Clubs wie Cheeks, Warehouse, Parabox und Times Square auf und entwickelte dabei einen eklektischen Stil, der sich mühelos zwischen Soul, Funk, Disco, House und Techno bewegte. Besonders die Residency im Cheeks in den frühen Achtzigern war prägend – dort legte er gemeinsam mit Jeff Mills auf, der damals noch als Open-Format-DJ unter dem Namen „The Wizard” auftrat.

Dreadlocks „bis zum Arsch” waren einst der Signature Look von John Collins, erinnert sich ein Zeitzeuge. (Foto: Unbekannt)

Auch im Radio machte sich Collins einen Namen: Seinen Spitznamen „Jammin” erhielt er in den frühen Neunzigern beim Sender WJLB FM 98 von der On-Air-Persönlichkeit „Captain” Kris McClendon, bevor er später zu WDRQ FM 93.1 wechselte, wo er die Sendung „Live From Detroit: John Collins Presents The Soul of Detroit” moderierte, die später auch über Red Bull Radio zu hören war.

Bevor er zu Underground Resistance kam, war Collins bereits als Booker aktiv: Er arbeitete mit Joy Santiago bei der Moshi Company, der allerersten Techno-Booking-Agentur, aus der später seine eigene Agentur hervorging. Bei Premier Entertainment vertrat er über Jahre Detroiter Künstler, bevor er schließlich begann, mit Mike Banks zusammenzuarbeiten: In den frühen 2000er-Jahren wurde er Booking-Agent und Manager bei Submerge, der Vertriebs- und Agenturplattform von Underground Resistance. Damit wurde er zu einem der bekanntesten Gesichter des Kollektivs – als Administrator wie als DJ.

Tresor-Geschäftsführerin Regina Baer (†), Tresor-Gründer Dimitri Hegemann, UR-Spi­ri­tus-Rec­tor John E. Collins (†) (Foto: Unbekannt/Tresor Archiv)

Neben seiner Arbeit für Submerge und UR gründete Collins 1994 die Detroit Regional Music Conference, die er über fünf Jahre leitete – als lokales Pendant zum New Music Seminar in New York und der Winter Music Conference in Miami. Er wirkte außerdem am Aufbau von Exhibit 3000 mit, dem weltweit ersten Techno-Museum, wo er über Jahre als Vermittler der Detroiter Musikgeschichte tätig war.

Als Produzent trat er später ebenfalls in Erscheinung: 2009 veröffentlichte er die EP Yeah auf Underground Resistance, später folgten unter anderem der Gospel-beeinflusste Track „All We Need” sowie Edits von Tracks aus Detroits Musikgeschichte. Er wirkte zudem als stellvertretender Vorsitzender der City of Detroit Entertainment Commission. Bis zuletzt trat er auf Festivals und in Clubs auf und hatte eine Residenz im Spkrbox in Detroit. 

John Collins hinterlässt seinen Bruder, den R’n’B-Sänger Dennis Collins, und seinen Partner Javier.

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Monika Kruse by (Foto: Christoph Köstling)

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