Der ghanaische Highlife-Musiker Ebo Taylor ist verstorben. Der Gitarrist, Sänger, Bandleader und Komponist gilt als bedeutendste Figur für das Genre in dem westafrikanischen Land. Wie sein Sohn bekanntgab, starb er einen Monat nach seinem 90. Geburtstag. Ebo Taylor war in Ghana und London tätig. Aus der Spannung zwischen der Komplexität Dvořáks, der Experimentierfreudigkeit des Jazz und der Leichtlebigkeit des traditionellen Highlife entwickelte er im Austausch mit seinem Freund Fela Kuti eine originär afrikanische Musik, die die Entwicklung afrodiasporischer Popmusik vorantrieb. Stellvertretend dafür steht sein 2010 veröffentlichtes Album Love And Death, das seine Musik einem internationalen Publikum zugänglich machte.
Bereits mit sechs Jahren begann der 1936 in Cape Coast in der Zentralregion Ghanas geborene Deroy „Ebo” Taylor Klavier zu spielen, wechselte aber früh zur Gitarre. Schon in dieser Zeit wurde er von Highlife-Musik geprägt, einer Musikrichtung, die die musikalische Tradition Ghanas mit europäischen Instrumenten verband und auf die britische Kolonialzeit zurückzuführen ist. In den 1950er- und 1960er-Jahren wurde Taylor als Frontmann führender westafrikanischer Highlife-Bands wie den Stargazers und der Broadway Dance Band bekannt. 1962 zog Taylor zum Musikstudium nach London, Über seine Zeit in London, wo er seit 1962 an der Eric Gilder School of Music studierte, sagte Taylor in einem Interview, dass er mehr außerhalb des Klassenzimmers als innerhalb gelernt habe, etwa von Bands wie den Beatles oder den Rolling Stones. Er verbrachte viel Zeit mit dem Afrobeat-Begründer Fela Kuti aus Nigeria, der zur gleichen Zeit am Londoner Trinity College studierte.
In gemeinsamen Jams entwickelte sich ein Sound, geprägt von US-Jazz-Trompeter Miles Davis und dem zu jener Zeit allgegenwärtigen Einfluss von Funk- und Soul-Vordenker James Brown. Nach seiner Rückkehr nach Ghana begann Taylor Funk und Jazz mit traditionellen Sounds aus seiner Heimat zu kombinieren, wobei er in unterschiedlichen Formationen mit dem ghanaischen Musiker Pat Thomas zusammenarbeitete. Den Höhepunkt seiner Karriere erreichte er in den 1970er-Jahren, als Ebo Taylor mit Alben wie Ebo Taylor and the Pelicans die Musikszene des Landes prägte und mit einer einzigartigen Mischung aus kulturellem Tiefgang und musikalischer Innovation den Sound eines postkolonialen Afrikas entwickelte, zu dem ihn Fela Kuti angeregt hatte. In den Achtzigern zog er sich aus der aktiven Musik zurück und arbeitete als Produzent und Songwriter.
Nach einer längeren Veröffentlichungspause erschien 2010 sein Album Love and Death, das ihm erneut internationale Aufmerksamkeit bescherte. In den Folgejahren kamen mit Appia Kwa Bridge, Yen Ara, und Palaver drei weitere Alben. 2018 erlitt der mittlerweile 82-jährige Taylor einen Schlaganfall, was seine Kommunikation massiv einschränkte. Einen Tag vor seinem Tod am 7. Februar 2026 wurde das Ebofest, das das Leben und Schaffen des ghanaischen Grandseigneurs feiern soll, angekündigt.
Ebo Taylor hinterlässt ein unvergleichliches musikalisches Erbe. Von Zeitgenossen wird er als einzigartiger rhythmischer Gitarrenspieler und einer der größten ghanaischen Musiker überhaupt bezeichnet, der die Musik des Landes auf die Weltkarte gebracht hat. Er repräsentiert eine musikalische Denkweise, die es verstand, musikalische Strömungen unterschiedlichsten kulturellen Ursprungs zu kombinieren und daraus einen eigenständigen Sound zu entwickeln, der afrikanische Popmusik geformt und vorangetrieben hat. Sein Einfluss reicht weit über Ghana hinaus und hat Generationen von Künstler:innen inspiriert, die seine Mischung aus Innovation und kultureller Authentizität weitertragen und das Bild Afrikas in der Diaspora prägen.







