DJ Por.No, bürgerlich Martin Wulf, ist im Alter von 61 Jahren gestorben. Der aus den Underground-Strukturen Berlins bekannte DJ verstarb kurz vor Silvester, berichtet die taz. Zum Todeszeitpunkt und zur Todesursache wurden bislang keine Angaben gemacht. Por.No gilt als Original der Berliner Technoszene – zum einen wegen seines großen Gespürs für die Crowds, für die er auflegte, zum anderen wegen seines kompromisslosen, politisierten Aktivismus, mit dem er Kollektive und Veranstaltende unermüdlich unterstützte.
Martin Wulf wurde in den australischen Blue Mountains bei Sydney geboren. Nach der Schule arbeitete er zunächst als Elektriker. Als er 16 Jahre alt war, verstarb sein Vater; anschließend studierte er in Brisbane zwei Jahre lang Fotografie. 1997, Wulf war mittlerweile Anfang 30, zog es ihn mit dem Wunsch, Musik zu machen, nach Berlin – in die Stadt, die ihn in seiner zweiten Lebenshälfte prägen sollte und der er selbst ebenso viel zurückgab.
Por.No war in den frühen Zweitausendern als „Love Cook” im Kunsthaus Acud aktiv, wo er Nachwuchs-DJs eine Plattform bot. In dieser Zeit begann er auch selbst aufzulegen, zunächst Goa und Psytrance, später Minimal und Techno. Er baute ein Soundsystem, das er unter anderem der Bar25 oder den Bachstelzen zur Verfügung stellte. Mit dem „Lisa Simpsons Dream Kollektiv” veranstaltete er nicht-kommerzielle, illegale Partys.
Als Veranstalter illegaler Raves war Wulf kontinuierlich in DIY-Projekte involviert. Als Soundsystem-Bauer, Soundtechniker und Allrounder unterstützte er andere Veranstalter und politische Aktivist:innen. Musikkultur war für ihn nicht nur künstlerischer oder kultureller Ausdruck, sondern auch eine Praxis mit politischen Implikationen, Botschaften und Bündnissen.

Unter anderem legte er bei Protesten gegen Neonazis, Demonstrationen gegen den Mietenwahnsinn, Kundgebungen gegen den Ausbau der A100 sowie im Umfeld der Hedonistischen Internationalen bei G8-Protesten auf. Zeitweise arbeitete er im Friedrichshainer Hostel Sunflower, war als Techniker im Club Sisyphos tätig und bei der Fusion als Bühnenmanager aktiv. Zudem war er verantwortlich für den dienstältesten illegalen Berliner Technoclub, dessen Name hier nicht genannt werden soll.
„[Wulf] war ein glühender Vertreter des Raves”, heißt es im oben verlinkten taz-Nachruf von Markus Reuter. „‚Der Dancefloor ist kein Laberfloor’ war sein geflügeltes Wort, ebenso wie seine Aufforderung ‚Tanzt endlich!’, wenn auf einer Party die Meute bereits zu müde war – und dann tatsächlich noch einmal weitertanzte. War es irgendwo zu kuschelig oder esoterisch, sprach er gern von ‚Hippiekacke’. Raven war für ihn nicht nur zart, sondern auch ein bisschen hart.”
Martin Wulf hinterlässt seine Familie in Australien – und seine große Techno-Familie in Berlin – so der taz-Nachruf.







