David Fogarty – [17.09.2025] (Mutant Radio)
Sich als Ganzes vor die Tür zerren. Von der Sonne zersaugen lassen. Sich häuten und schlüpfen, danach schlafwandeln in nebligen Hüllen. Die Melancholie zur Untermiete wohnen lassen. Der Leichtigkeit den Eintritt gewähren. Mir ist nach Sanftheit. Nach Opening-Tracks. Nach Deep-House. Dubby Zeug. Ambient-Brücken. Langsamen Platten.
Nach eben genau diesem 64-minütigen Versuch, die kalendarisch gesetzte Schwere mit Wärme auszugleichen. David Fogarty macht das unaufgeregt. Subtil. Pausiert auf halber Strecke im Transmigration-Stil; Dumpf. Hypnotisch, Progressiv. Ein unerwarteter, wenn auch zögerlicher Ausbruch, der langsam abzuebben scheint. Der Mix hält sich wieder bedeckter und verwandelt sich schlussendlich in den zarten Nachhall all des Schönen. Einen in sich geschlossenen Dub-Techno-Epilog. Lea Jessen

Elektro Guzzi & Giorgio Pantalone – Palazzo #16 (Res.Radio)
Ja, das sind sie wirklich – die wahren, die echten, die unvergleichbaren Musikanten von Elektro Guzzi. Sie, die begnadete Kulturjournalisten immer mal wieder zu Belastungsproben des guten Geschmackes verleiten („Techno-Kapelle”, „Rockband, aber mit Techno”), machen eine Radiosendung. Und husten dafür gerne mit tourerprobten Yellow-from-the-egg-Englisch am Poppfilter vorbei. Gottseidank spielen sie dann Musik, also, äh, Techno. Was als Techno-Kapelle ja einigermaßen sinnig ist, um nicht zu sagen: Rock’n’Roll. Das mit dem Sex und den Drugs kann man sich ja immer noch dazudenken. Zum Beispiel, während man darüber nachdenkt, wer diesen echten, diesen unvergleichbaren Track produziert hat, den man vor circa zwölf Jahren das letzte Mal gehört hat. Christoph Benkeser

Jennifer Walton – In Focus: SOPHIE (NTS)
Deconstructed Club, Hyperpop oder Bubblegum sind einige Worthülsen, mit denen versucht wird, die musikalische Legacy von SOPHIE einzufangen. In dem zweistündigen NTS-Mix, den Jennifer Walton liebevoll kuratiert und gemixt hat, zeigt sich aber, dass Worte nicht im Ansatz einfangen können, wofür SOPHIE stand: Es ist eher ein Gefühl von fehlender Zugehörigkeit – nicht richtig im Mainstream zu stehen, aber auch nicht richtig außerhalb. Die Songs, die sie als Produzentin für Madonna oder Vince Staples hinterlassen hat, gehören genauso dazu, wie ihre eigenen Veröffentlichungen. Ein wilder Ritt zwischen Pop und Avantgarde, durch akustisch zum Teil ungewohnte und anstrengende Sounds, an denen am Ende der emotionale Höhepunkt wartet. Ihre Nachricht aus dem Jenseits: „It’s Okay To Cry” und „Just Like We Never Said Goodbye”, eine mehr als offensichtliche Referenz auf den plötzlichen Tod von SOPHIE in 2021.
Es gäbe noch so viel mehr zu sagen: Über ihr Leben und Wirken als Transfrau oder über ihren Einfluss auf den aktuell prägenden Hyperpop-Sound. Am Ende geht es aber nur darum, sich an die guten Zeiten zu erinnern, wie es beispielsweise Charli xcx in ihrer Hommage an SOPHIE gemacht hat. Dieser Mix ist ein erster Schritt dahin. Tom-Luca Freund

Lux – Nachtipod live from NACHTI 2025 (Nachti)
An diesem Morgen hat jeder Zeit. Die noch wachen Eulen, die wie glückselige Zombies von einem Bein aufs andere stapfen und eine immer tiefere Kuhle in den Sand treiben. Die Lerchen, die sich den willigen Geist und das schwache Fleisch vergnügt ansehen und sich grinsend im silbrigen Abglanz des dubbigen Tech-House suhlen. Und Lux, die das Treiben in der Voliere diktiert, ohnehin. Alleine dafür, wie lange sie den Convextion-Remix von Steffis „Irreversible Cessation” laufen lässt, gebührt Lob. Sie spielt ihr Set am Nachti-Sonntag von 6 bis 8 Uhr morgens und damit einen der wichtigsten Slots des Festivals. Nach ihr werden Richard Akingbehin und Sevensol weiter am Dub-Techno-Rad drehen, bevor Sonja Moonear mit brachialem Tech-House das Ende im Schullandheim Olganitz einläutet. Noch aber sind die Gedanken frei, der Blick über den See gelegentlich von der Nebelmaschine getrübt, die Luft im Morgengrauen unerbittlich kalt. Gut, wenn eine DJ weiß, wie man zumindest das Innerste wärmt. Maximilian Fritz

Spacer Woman – WHOLE Festival 2025 (WHOLE)
Der Herbst klopft an die Tür. Die Blätter färben sich goldgelb, die ersten Kürbissuppen köcheln auf dem Herd, auf dem Sofa warten Kuschelsocken und eine Folge Gilmore Girls. Der Wintermantel wird ausgepackt, die ersten Herbstoutfits geplant, und langsam schleicht sich diese typische Herbststimmung in den Alltag.
Doch gerade als der Herbst Einzug hält, veröffentlicht das Whole Festival das Set von Spacer Woman und bringt damit ein kleines Stück Sommer zurück. Mit einem Mal ist die Festivalstimmung wieder da. Vielleicht ist es noch etwas früh, schon im September sehnsüchtig an die nächste Festivalsaison zu denken, aber mit Spacer Woman geht es nicht anders.Über zwei Stunden lang liefert das Set spacigen House, euphorischen Sound, der sowohl Erinnerungen an sonnige Festivalmomente weckt als auch Lust auf die kommenden Abenteuer macht. Perfekt, um an einem Sonntagabend auf dem Forest-Floor des Whole Festivals zu tanzen oder sich zuhause auf das zu freuen, was gewiss ist: Die nächste Festivalsaison kommt bestimmt. Katharina Pittack
