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Infinite Festival in München: Gegenkultur-Festival startet morgen

München langweilig? Von wegen. Schon im August lockte das PHRE-Festival im Import Export Klangsuchende aus allen Himmelsrichtungen an. Und nun, nur wenige Wochen später, setzt das Infinite Festival von Behind the Green Door noch eins drauf: Vom 10. bis 13. September öffnen sich mit der unter Denkmalschutz stehenden modernen Architektur von St. Matthäus (Nußbaumstraße 1/Sendlinger Tor), dem ZIRKA (Zentrum für interdisziplinäre Raum- und Kulturarbeit) und dem Import Export (beide im Kreativquartier Schwere Reiter an der Dachauer Straße) gleich drei Räume, die sich für vier Tage in Tore zu einer anderen Realität verwandeln.

L’Eclair (Foto: Laureat Bakoll)

Es ist das erste Festival dieser Art aus der Werkstatt des Münchner Kollektivs, das seit 2017 unter dem Namen Behind the Green Door eine Plattform für Neo-Psychedelia, Krautrock, Electronica, Jazz und experimentelle Musik schafft. Gründer Veit Oberrauch spricht von einem „Fluss”, dem man sich hingeben könne – kein Zick-Zack-Lauf zwischen Bühnen, sondern ein organischer Bogen, der die Besucher:innen von Anfang bis Ende trägt. Musik, Bilder, Gemeinschaft: Alles soll ineinandergreifen.

Stimmen von hier, Klänge von überall

Der Auftakt am Mittwoch, dem 10. September, in St. Matthäus ist beinahe liturgisch: Um 19:30 Uhr eröffnet Poeji den Abend mit ätherischen Soundexperimenten, ehe um 20:50 Uhr der japanische Musiker Tomo Katsurada die Kirche mit einer Mischung aus Folk und Psych-Rock zum Klingen bringt.

Am Donnerstag, dem 11. September, nimmt die Reise im ZIRKA Fahrt auf. Dort weben Shā Mò ab 19:30 Uhr feine Klangschleifen, gefolgt von den hypnotischen Soundscapes von Hodo Gaïa um 20:40 Uhr. Den Abschluss setzen um 22:00 Uhr die französischen Grenzgänger von Ko Shin Moon, die Orient und Elektronik miteinander verschmelzen lassen. Den Abend begleitet eine analoge Live-Lightshow der Künstler Leonard Will und Lucien Lietz.

Jacco Gardner (Foto: Presse)

Der Freitag, 12. September, im ZIRKA gehört der Kontemplation: Multi-Instrumentalist Maasl Maier, seines Zeichens Bassist von embryo, eröffnet um 19:30 Uhr mit experimentellen Basslinien, um 20:40 Uhr folgt Jacco Gardner, und um 22:40 Uhr entwirft Marta de Pascalis ihre vielschichtigen elektronischen Texturen. Ab Mitternacht übernehmen Overmacht (00:40 Uhr) und Maria Pandiello (01:30 Uhr). Parallel dazu läuft im Import Export ein zweites Programm.

Ab 21:00 Uhr bringen dort Mitsune japanische Shamisen in einen urbanen Funk-Kontext, um 23:40 Uhr entfesseln Konomono rituelle Beats, bevor DJs bis zum Morgengrauen übernehmen. Auch hier sorgt eine analoge Lightshow von Will und Lietz für magische Bilder.

Baby Berserk (Foto: Presse)

Der Samstag, 13. September, schließlich spannt den Bogen noch ein Stückchen weiter. Im Import Export eröffnet um 19:30 Uhr Teresa Allgaier, um 20:40 Uhr lässt Simon Popp Percussion in tranceartigen Mustern kreisen, und um 22:10 Uhr steht mit Alabaster dePlume einer der international meist beachteten Grenzgänger zwischen Jazz, Poesie und Song auf der Bühne. Gleichzeitig bebt das ZIRKA.

Um 20:10 Uhr spielen dort Cosmica Bandida, gefolgt von Devon Rexi um 21:30 Uhr und Lucidvox um 22:55 Uhr. Nach Mitternacht übernehmen Baby Berserk und L’Éclair gemeinsam mit Giortensia & Rumpeln (01:30 Uhr) das große Finale. Auch an diesem Abend begleiten Will und Lietz mit ihrer Live-Lightshow.

Mehr als Konzerte

Von Anfang an sei es Oberrauch nicht nur um Konzerte, sondern um „Erfahrungen mit allen Sinnen” gegangen, sagt er. So sind auch beim Infinite Festival Ausstellungen, Performances und spontane Interventionen Teil des Programms. Ab Donnerstag verwandelt sich das ZIRKA zusätzlich in einen Ausstellungsraum: Die Musikerin und Künstlerin Aiko Blumer kuratiert dort eine kleine Schau. Außerdem bietet Felix Blum einen Siebdruckworkshop an – eine Einladung, selbst künstlerisch tätig zu werden und das Festival nicht nur hörend, sondern auch gestaltend zu erleben. Was als intime Reihe begann, wächst nun zum Festivalformat heran – ohne die Nähe und Entdeckungslust aufzugeben, die Behind the Green Door zu einem Fixpunkt der Münchner Gegenkultur gemacht haben.

Das Infinite Festival ist Passage und Ritual zugleich – vier Tage, die eine Gemeinschaft formen, die sich ihrer Vielfalt bewusst ist und gerade darin ihre Magie findet.

Infinite Festival
10. bis 13. September 2025
St. Matthäus, ZIRKA und Import Export in München

Tickets sind hier erhältlich.

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