Cassy ist DJ, Produzentin, Sängerin und Labelbetreiberin von Kwench. Mit ungewöhnlich souligem Minimal-House prägte sie Mitte der Nullerjahre, unter anderem mit einer Residency in der Panorama Bar, den Minimal-Aufbruch Berlins. Dabei war Cassy, die eigentlich Catherine Britton heißt, immer betont stiloffen. Neben der minimalistischen Perlon-Ästhetik war sie auch in der Pop-affinen, Vocal-orientierten Gigolo-Welt aktiv. 2010 verabschiedete sie sich aus der Techno-Metropole und brach in ein nomadisches DJ-Leben auf, in dem Ibiza und die USA zu den häufigeren Stationen gehörten.
Nun erscheint mit It’s time die 40. Veröffentlichung auf Kwench. Inwiefern diese den Aufbruch in ein neues Kapitel ihrer Karriere darstellen soll, hat die Kosmopolitin mit österreichischen Wurzeln Ferdinand Görig und Alexis Waltz erklärt. Außerdem haben die beiden GROOVE-Autoren zu verstehen versucht, wo der unerschöpfliche Antrieb liegt, der die eigensinnige Individualistin Jahr für Jahr um den Globus treibt.
GROOVE: Du hast zuletzt vor allem zusammen mit anderen Künstler:innen veröffentlicht. Wie fühlt sich diese neue EP, die du allein produziert hast, für dich an?
Cassy: Genau, ich habe in den letzten Jahren mit Leuten wie Fred P oder Jon Hester zusammengearbeitet. Die Platte mit Mark Hawkins ist jetzt fertig, sie bildet das Ende meiner Ära der Kollaborationen. Ich finde, die Katalognummer 40 markiert das ganz gut. Ich möchte unbedingt wieder mehr auf Vinyl rausbringen und mich musikalisch mehr ausprobieren.
Was stellst du dir da vor?
Die Sachen sollen sich stärker von dem unterscheiden, was bisher so auf meinem Label erschienen ist. Mich reizt das Gefühl, wieder etwas komplett Eigenes zu machen. Ich arbeite deswegen momentan alleine und versuche, in einen Fluss zu kommen. Das ist irgendwie total geil und fühlt sich besser für mich an.
Wie arbeitest du mit jemandem wie Mark Hawkins zusammen, wie läuft das ab?
Weil ich lange kein eigenes Studio hatte, habe ich viel mit Mark gearbeitet, der ein Studio in Berlin hat. Die Zusammenarbeit lief super, es herrschte eine offene und kreative Atmosphäre, in der wir viel ausprobiert haben. Es war so ein: Aha, das klingt gut, okay, so ungefähr. Für das Mixing habe ich die Tracks an Steven Barkan nach New York geschickt. Ich wollte, dass sie ein bisschen anders klingen und einen neuen Schliff bekommen. Steven hat damals viele Strictly-Rhythm-Platten [stilprägendes US-House-Label, Anm.d.Red.] gemischt, ein toller Typ. Ich finde die Distanz interessant. Zum einen gibt es Vergleichsstücke, nach dem Motto: So hätte ich’s gern. Zum anderen muss man auch Vertrauen in die Person haben, die hört, was rausgeholt werden muss.

Du hast dich schon früh zwischen verschiedenen Szenen bewegt – zwischen der eher Pop-affinen, Vocal-orientierten Gigolo-Welt und der minimalistischen Perlon-Ästhetik. Das war in dieser Zeit, in der eine Genre-Verkrampftheit vorherrschte, eher ungewöhnlich. Wie bist du mit der Clubmusik in Kontakt gekommen?
Ich bin auf jeden Fall froh, dass es heute eine viel größere Offenheit gibt. Meine ersten Berührungspunkte mit Musik lagen tatsächlich im klassischen Bereich. Ich bin auf ein katholisches Mädcheninternat in Wien gegangen und habe Abitur in klassischer Gitarre gemacht. Mein Lehrer hat dann am Brucknerkonservatorium in Linz unterrichtet und wollte, dass ich bei ihm Gitarre studiere. Aber das war keine Option für mich.
Wie ging es dann weiter?
Ich habe nach der Schule keine Musik mehr gemacht, auch einen Musical-Job im Landestheater habe ich abgelehnt. Ich habe aber alles Mögliche gehört. Gilles Peterson war zum Beispiel ein großer Einfluss, die Talkin‘-Loud-Sachen. „Prince of Peace” von Galliano fand ich fantastisch. Mit 17 oder 18 war ich dafür sogar im Volksgarten, auf einem Open-Air-Konzert. Freunde von meinen Eltern hatten ein eklektisches, cooles Jazz-Festival. Da habe ich mich sogar mal mit Frank Wiedemann [später Teil von Âme, d.Red.] unterhalten. Ich war musikfanatisch, und Klassische Musik war auch schon immer meins. Ich war auch viel in der Oper oder auf Konzerten mit Klassischer Musik. Mein Großvater war Ehrenmitglied in der Kapelle unseres Dorfes.
„Man kann keinen Gesang studieren und gleichzeitig Zigaretten rauchen und bis vier Uhr morgens wach sein.”
Sozusagen eine Musikerfamilie?
Eine musikliebende Familie, würde ich sagen. Meine Eltern haben Musik geliebt, aber nichts damit gemacht. Ich war die Erste. Eigentlich wollte ich Gesang studieren, habe aber schnell gemerkt, dass ich aufhören müsste, auszugehen. Man kann keinen Gesang studieren und gleichzeitig Zigaretten rauchen und bis vier Uhr morgens wach sein.


Die Welt der Nacht hat dich also angezogen. Wie hast du die DJ-Musik für dich entdeckt?
Ausgegangen bin ich nicht viel. Meine Eltern hatten einen Gasthof in Hadersdorf am Kamp und haben dort legendäre Partys veranstaltet, davon erzählen meine älteren Freundinnen noch immer. Ich kann sogar damit angeben, dass Kruder & Dorfmeister 1994 auf meiner Abschiedsparty aufgelegt haben, bevor ich auf die Schauspielschule nach London gegangen bin. Ich kannte die flüchtig über meine Freundinnen.
„Die Augenhöhe fand ich sympathisch an der Szene, alles bewegt sich im hier und heute, das ist nicht so verstaubt wie der Theaterbetrieb.”
Wieso wolltest du Schauspiel studieren?
Ich wusste nicht, was ich machen sollte. Theater habe ich immer sehr geliebt, ich habe viele Filme geschaut oder Stücke gelesen. Operetten, Musicals – all das hat mich interessiert. Tanzworkshops habe ich auch öfter gemacht, das hat mich fasziniert. Als die Schule mich verrückterweise angenommen hat, habe ich das einfach gemacht. Das war echt beinhart, die Schule war wahnsinnig fordernd.
Wie hast du London außerhalb der Schule erlebt?
Ich war eine viel zu brave Schauspielstudentin. Es gab ein paar Leute aus der Schule, die ständig im Heaven [legendärer Londoner Club in den Neunzigern, d.Red.] feiern waren. Die waren dann immer echt fertig und haben Ärger bekommen. Ich bin nicht so oft ausgegangen, weil niemand aus meiner Klasse wirklich Lust darauf hatte. Mir wurde aber gesagt: Du musst unbedingt ins Blue Note gehen, im Hoxton Square. Irgendwann bin ich da also alleine hingegangen, obwohl ich überhaupt keine Ahnung hatte, was da ist. An diesem Abend war dort die Metalheadz-Night von Goldie. Ich habe kaum etwas getrunken. Der Club war in East London, von dort alleine nach Hause zu kommen, war eine Herausforderung. Danach habe ich gedacht: Komm‘, ich widme mich wieder Shakespeare und meinen Theaterstücken.
Wie lange hast du in London gelebt?
Drei Jahre. Danach war ich erst mal fertig mit den Nerven und wollte unbedingt wieder nach Hause. Ich hatte keine Lust darauf, arbeitslos in London zu enden. Zurück in Österreich habe ich ein bisschen rumgejobbt und dann über Ecken die Leute von Gigolo [International Deejay Gigolos, Label von DJ Hell, Anm.d. Red.] kennengelernt. Ich fand die alle cool, das war so eine kleine Welt für sich. Nicht so institutionsgebunden und hochgestochen wie in der Theaterwelt. Die Augenhöhe fand ich sympathisch an der Szene, alles bewegt sich im hier und heute, das ist nicht so verstaubt wie der Theaterbetrieb.
Wann hast du mit dem Auflegen angefangen?
Die ersten Versuche waren um 1999 und 2000, danach wurde es langsam mehr. Irgendwie ist das alles nach und nach gekommen. Ich wollte nicht unbedingt DJ werden, ganz im Gegenteil; komisch im Endeffekt, dass ich es geworden bin. Es war ja eh jeder DJ. Ich habe während Covid versucht aufzuhören, aber das geht einfach nicht.

Anfangs hast du subtilere Musik gespielt, gerade im Minimal-Kontext, da ging es zahmer zu als in den meisten Clubs heute.
Ja, das verstehe ich auch nicht ganz. Als ich mit dem Singen angefangen habe, war ich eher so in dieser Ecke, aber ich habe gemerkt: Spielen möchte ich eigentlich lieber andere Platten. Da war es natürlich toll, dass ich irgendwann Ricardo [Villalobos, d.Red.] und Luciano kennengelernt habe. Ich habe damals in Genf gewohnt, genauso wie Cat – oder besser gesagt Miss Kittin.
„Die Musik, die mich mehr interessiert hat und die ich auflegen wollte, wurde aber mehr von Männern gespielt. Frauen haben damals mehr Techno als House gespielt, ich finde, heute ist das immer noch überwiegend so.”
Was hat dich nach Genf verschlagen?
Ich habe in einer Modeboutique gearbeitet, war immer modegeil und habe viel Geld für Schuhe und den Scheiß ausgegeben. Damals habe ich bei einer Freundin gewohnt, mit der ich immer noch sehr eng befreundet bin. Genf war für mich eine coole Zeit, da hat sich einfach alles, was in meinem Leben passiert ist, ergeben. Mein Leben ging dort richtig los.
Genf ist nicht unbedingt eine Stadt der Nacht, aber es gab anscheinend eine ambitionierte Szene.
Das stimmt. Gut war, dass ich mich so hauptsächlich auf meine Arbeit konzentrieren konnte. Viele Leute, zum Beispiel Luciano, habe ich im Plattenladen Mental Groove kennengelernt. Dort gab es auch Studios, alles war sehr alternativ, aber auf der anderen Seite auch super professionell, typisch schweizerisch halt. Angenehm an der Szene war, dass es egal war, wie einen die Leute sehen, ganz im Gegenteil zum Theater. Ich habe immer bewundert, wie kreativ die Leute waren und wie sehr sie ihre eigenen Visionen verfolgt haben, Susanne [Kirchmayr, Electric Indigo, d.Red.] und [Acid] Maria, vor allem aber Caro[line Hervé, Miss Kittin]. Die hat immer ihr eigenes Ding gemacht und ist damit erfolgreich geworden.
Toll, dass du damals schon weibliche Vorbilder hattest, das war ja für die Zeit nicht die Norm, oder?
Absolut. Das Komische war aber: Für mich war es die Norm. Zu meiner Zeit waren da Ellen Allien, Monika Kruse, aber auch Tina303 oder Eva Cazal. Es gab viele Frauen um mich herum. Die Musik, die mich mehr interessiert hat und die ich auflegen wollte, wurde aber mehr von Männern gespielt. Frauen haben damals mehr Techno als House gespielt, ich finde, heute ist das immer noch überwiegend so.

In der Clubszene verbindet man dich mit Berlin, durch deine Platten auf Perlon und deine Gigs in der Panorama Bar. Wie war deine Berlin-Zeit?
2003 bin ich von Genf nach Berlin gezogen. Da habe ich angefangen, so richtig professionell aufzulegen und die ersten Platten zu machen. 2010 habe ich mich scheiden lassen und dachte, es wäre auch wegen überschneidender Bekanntenkreise gut, die Stadt zu wechseln. Ich dachte: Ich habe das Tollste hier gesehen und nach Berlin zurückkommen kann ich immer – auch weil ich hier immer noch viele Freunde habe. Aber ich wollte einfach nochmal woanders wohnen und bin dann wie eine Wahnsinnige durch die Welt gezogen.
Wo warst du überall?
Ich habe ein Jahr in Paris gewohnt. Ein Jahr in Amsterdam, mal sechs Monate hier, mal sechs Monate da. Richtig heimisch wurde ich nicht, ich war ja die meiste Zeit über unterwegs. Immer wieder hat es mich nach Ibiza zurückgezogen. Erst habe ich ein Zimmer über den Sommer gemietet, damit ich nicht immer im Hotel wohnen muss, wenn ich dort auflege. Irgendwann habe ich mir eine Wohnung gemietet, dann ein Häuschen. Zehn Jahre lang war ich dort – nicht durchgehend, aber immer wieder.
„Ibiza ist der allerbeste Ort für DJs und der schlimmste Sumpf.”
Was hat dich an Ibiza so fasziniert?
Am Anfang mochte ich Ibiza gar nicht. Ich dachte, ich komme da nicht zurecht. Die Zeit von 2009 bis 2014 war echt hart, da habe ich richtig gesehen, wie schräg es werden kann, wenn man in diese internationale-Star-DJ-Welt reinkommt.
Von außen sieht diese Welt verlockend aus, was genau war so abstoßend?
Ibiza hat zwei Seiten: Es ist der allerbeste Ort für DJs, es gibt wirklich keinen besseren. Es ist schick, und ich liebe schicke Sachen; Mode, gute Restaurants und so weiter, früher hat mich das noch mehr begeistert als heute. Auf der anderen Seite ist Ibiza der schlimmste Sumpf. Wenn du weitermachen willst, musst du kommerziell so erfolgreich sein, dass du dort zum Beispiel deine eigene Nachtveranstaltung hast. Ich glaube, dafür musst du entweder ein richtiger Corporate-Mensch sein oder das richtige Team um dich herum haben. Das bin ich nicht, ich hätte das einfach nicht gekonnt.
Ibiza bietet im Gegensatz zu anderen Party-Orten die Möglichkeit, noch viel mehr in die Musik einzutauchen, sich viel mehr gehen zu lassen. Es gibt kaum Verpflichtungen, und kaum jemand muss zur Arbeit, weil die meisten hier Urlaub machen.
Das stimmt. Deine Aufgabe als DJ ist es, genau diesen Rahmen zu schaffen. Natürlich muss man auf seine Gesundheit achten und darf nicht zu sehr abrutschen, da kenne ich auch mehrere Geschichten aus dem engen Bekanntenkreis. Diese eigene Welt hat auch dazu geführt, dass man irgendwie enger war als zum Beispiel in Berlin. Manche Freundschaften waren wie Familie. Im Endeffekt war ich sogar lieber im Winter als im Sommer auf Ibiza, so gerne mochte ich es dort. Das hätte ich mir am Anfang nie vorstellen können.
Danach hast du angefangen, weltweit zu touren – auch ein Unterschied zu den Berliner DJs, die zum Teil einen starken Europafokus haben. Was hat dich daran gereizt?
Ich spiele viel in den USA, dort bin ich durch die größeren Festivals, das Coachella etwa, hingekommen. Auch wenn das blöd klingt: Der US-amerikanische House ist für mich das Größte und Wichtigste. Durch Gigs in Ländern wie den USA, Japan oder Argentinien habe ich erst bemerkt, dass man dort anders spielen kann als in Berlin – und wie cool das ist. Oft gab es nämlich den Wunsch, keine zu Vocal-lastigen oder zu bekannten Hits zu spielen. Nur in der Panorama Bar war das nie so – da konnte ich immer das spielen, worauf ich Lust hatte.
Durch deine USA-Gigs hast du sicher gute Kontakte zur dortigen Szene geknüpft, oder?
Es war super, mit DJs wie Sasha oder Davide Squillace zusammenzukommen. So wurde die Musik für mich aufgebrochen, man ist musikalisch zusammengerutscht. Wir haben dann alle viel abgehangen, wenn wir unterwegs waren.

Konntest du daraus lernen?
Auf jeden Fall. Je besser du als DJ lernst, zu bedienen und in einen Dialog mit unterschiedlichem Publikum zu treten, desto besser wirst du in dem, was du wirklich machen willst. Vor allem sehr berühmte DJs müssen immer dasselbe spielen, weil die Leute das erwarten, da kommt man schlussendlich immer zum selben Ergebnis. Wenn du aber weißt, dass die Menschen nicht deinetwegen da sind, musst du erst mal schauen, auf welcher Party du bist. Das macht viel mehr Spaß.
Du gehörst nicht zu den Superstar-DJs, von denen du sprichst, verlierst aber auch nie an Relevanz. Wie gelingt dir das?
An der Spitze bekommst du die besseren Spielzeiten. Um das zu erreichen, muss man sich schon bemühen, viel im Hintergrund ackern. Manchmal ist man interessant genug, manchmal nicht, manchmal ist man nicht neu genug. Wenn man zum Beispiel ein Kind bekommt, glauben die Leute automatisch, dass man nichts mehr macht. Ich habe mich eine Zeit lang in eine Welt begeben, in der ich eine bestimmte erwartbare Leistung erbringen musste. Das war irgendwann einfach nicht mehr cool. Ich habe mich in dieser Phase nach innen und außen gewendet, habe alles erlebt und mitgenommen. Jetzt habe ich wieder das Gefühl, etwas Neues anfangen zu müssen.
Warum hast du während der Pandemie überlegt, mit dem Auflegen aufzuhören?
Ich war zu Beginn der Pandemie mit meinem Sohn und meiner 80-jährigen Mutter auf Ibiza. Ich hatte Angst, dass Ibiza zu gefährlich sein könnte, vor allem für meine Mutter. Wir hatten damals nur noch bis Mitternacht Zeit, bevor die Reisebeschränkungen galten. Ich wollte das eigentlich nicht erzählen, aber wir sind dann mit einem Privatflugzeug in der allerletzten Sekunde nach Österreich gereist. Irgendwie war das die einzige Möglichkeit, eine Freundin hat mir die Hälfte des Geldes geliehen, danach war ich erst mal pleite. Darauf sind Gedanken wie „Was ist, wenn es nie wieder weitergeht und ich nie wieder Geld verdienen kann” gefolgt.
„Ich hatte keine Ahnung, was ich machen soll und habe einen Journalismus-Kurs angefangen.”
Zu welchem Ergebnis bist du gekommen?
Ich war auch genervt von der Szene in dieser Phase, in der wir uns alle gegenseitig beschimpft haben. Irgendwann habe ich die Situation hingenommen und mich mal gehen lassen. Einfach mal ein Jahr nichts gemacht. Ich hatte davor nie eine längere Pause, nicht einmal Elternzeit. Irgendwann kam dann ein Angebot aus den USA, und ich habe es doch wieder getan. Das war ein Festival in San Diego, ich habe ein b2b mit meinem guten Freund Denis Ferrer gespielt. Diese optimale Gelegenheit hat mir geholfen zu spüren: Das ist nicht nur mein Job, das ist mehr. Auch die Lift-Videos vom Fold aus London habe ich immer wieder geschaut. Das ganze Drum’n’Bass-Zeug fand ich super. Nach dem Set von DJ Keith habe ich mir nur gedacht: Geil!
Hast du während deiner Pause darüber nachgedacht, was du statt dem Auflegen machen könntest?
Ich hatte keine Ahnung, was ich machen soll, und habe einen Journalismus-Kurs angefangen Ich habe ja nie etwas Richtiges gelernt, schauspielern wollte ich jedenfalls nicht. Es hätte mich auch niemand genommen. Irgendetwas in der Szene kam aber nie infrage, auch wenn ich sie die letzten 20 Jahre miterlebt habe: Ich wollte nie eine Booking- oder Management-Agentur gründen.
Was definierst du als deine neue Richtung? Was kommt jetzt?
Jetzt kommt das, was ich schon immer machen wollte. Ich möchte mich weg vom Kommerziellen bewegen und mehr Musik spielen, auf die ich schon immer Bock hatte. Längere Sets mit mehr House. Ich möchte alle meine schönen Platten verschmelzen lassen und aufs Publikum im jeweiligen Land abstimmen. Das Ganze im Jetzt genießen. Das konnte ich vorher nicht gut, da war so viel Druck, ich war unentspannt und unglücklich. Auch weil die letzten Jahre hart waren: Mein Vater ist gestorben, außerdem musste ich viel Geld verdienen, damit ich die Nannys für meinen Sohn bezahlen und so überhaupt weiterspielen konnte. Da war viel Abschied, aber auch viel Neues. Jetzt bin ich glücklicher und deswegen auch zufriedener beim Auflegen.