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Phrank und seine Ausstellung „Flashback” auf Ibiza: Eine Mixtur aus fotogenen Menschen aus der ganzen Welt, die zum Feiern zusammenkommen

Ibiza, so inzwischen die landläufige Meinung, ist schon lange nicht mehr der Sehnsuchtsort, den es für Raver:innen einst darstellte. Einer, der das besser wissen muss als jeder andere, ist Frank Weyrauther, Szenename: Phrank. Er begleitet das bunte Treiben auf der Feierinsel seit der Jahrtausendwende und hat es laut eigener Aussage auf etwa vier Millionen Fotos verewigt. Einen Bruchteil davon präsentiert er noch bis zum 9. August im Rahmen der Ausstellung Flashback in der Olas Gallery. Zu sehen: Ungezügelter Hedonismus, Ausschweifungen und Phranks ganz eigene Perspektive auf den dekadenlangen Dauerrausch – mit einer Fokusverschiebung weg vom DJ-Starkult, hin zum Geschehen auf der Tanzfläche und in den Backstages.

GROOVE-Redakteur Maximilian Fritz hat er verraten, wie er seine Tage und Nächte auf Ibiza verbringt, wie seine Sommersaison abläuft, wie er mit Flashback den wahren ibizenkischen Feiermythos einfängt und wieso von diesem heute nicht mehr viel übrig ist.

GROOVE: Erst mal zu deiner Person: Seit wann begleitest du die Szene auf Ibiza?

Frank „Phrank” Weyrauther: Ich arbeite seit ungefähr 1999 auf Ibiza, ursprünglich als betreuender Grafikdesigner für den Veranstalter Extrema aus den Niederlanden. Weil ich unter der Woche noch Zeit hatte, habe ich aus Spaß nebenher angefangen, Fotos für Magazine aus Holland wie Bassic Groove, SLAM und ID&T zu machen. Später dann für DJ Mag, Mixmag und das dub Magazine Ibiza.

Phrank Weyrauther in seiner Ausstellung „Flashback” (Foto: Tasya Menaker)
Phrank in seiner Ausstellung Flashback (Foto: Tasya Menaker)

Wie lange bist du jährlich auf der Insel?

Seit 2005 lebe ich für die Sommersaison halbjährig auf Ibiza und mittlerweile, bis auf die Wintermonate, fast ganzjährig auf Ibiza.

Wie sieht deine typische Saison aus?

Meine typische Season läuft so: Ich stehe nachmittags auf, wenn in der Nacht ein Event war, dann trinke ich ein, zwei Kaffee, dann zig Stunden Foto-Nachbearbeitung. Wenn die Sonne noch nicht weg ist, hüpfe ich mal schnell irgendwo ins Meer. Dann gibt’s Pizza zum Frühstück, und auf geht’s in den nächsten Club, bis um 7 morgens. Um 8 Uhr dann ins Bett, nachdem ich die Fotos runtergeladen habe. So geht das fast jeden Tag – da bleibt nicht viel Zeit für Strand und Freizeitaktivitäten. Aber was soll ich rumjammern? Ich arbeite da, wo andere Urlaub machen.

Was hat dich an Ibiza so fasziniert, dass du dort große Teile deines Lebens verbringen wolltest, vor allem im Vergleich zur Szene in Kontinentaleuropa?

Die Mixtur aus interessanten und fotogenen Menschen aus der ganzen Welt, die zum Feiern zusammenkommen.

Phrank Weyrauther in seiner Ausstellung „Flashback” (Foto: Tasya Menaker)
Phrank führt durch seine Ausstellung „Flashback” (Foto: Tasya Menaker)

Du hast deine Ausstellung Flashback genannt. Einerseits beziehst du dich damit auf die glorreiche Vergangenheit der Insel, andererseits ganz konkret auf deine Tätigkeit als Partyfotograf. Welche Periode des Nachtlebens auf Ibiza fandest du am aufregendsten?

Natürlich war die Periode von 2000 bis 2010 am interessantesten. Ich habe mit Fotografie und Technik herumexperimentiert. Damals waren die DJs auch nicht so wichtig – es ging nur um die Party. Kein Social-Media-Post am nächsten Tag, keine Likes, keine Follower. DJs mussten ihre Fangemeinde über Jahre aufbauen. Ich habe damals noch Zeit gehabt, die eine Woche mal so, die andere mal anders zu fotografieren. Aber ich habe immer noch die Leidenschaft, das Party- und Nachtleben aus verschiedenen Perspektiven zu dokumentieren – on Stage, Backstage, Making-ofs, behind the Scenes, vom Dach oder auf dem Parkplatz.

Die Ausstellung „Flashback” von Phrank Weyrauther (Foto: Sofia Gomez Fonzo)
Fängt den ibizenkischen Hedonismus ein: Flashback von Phrank (Foto: Sofia Gomez Fonzo)

Wie du ansprichst, waren DJ damals noch nicht so wichtig wie heute.

Generell zeige ich lieber, was hinter den Kulissen oder auf der Tanzfläche abgeht. Und wenn dann doch mal DJs, dann lieber einzigartige, persönliche Aufnahmen. Damals waren die richtigen DJs schon wichtig für eine Party, aber nicht das Wichtigste. Man wusste eben bei Party XY, dass man diesen oder jenen Style und Vibe bekommt. Selbst das Mixmag aus England hatte früher noch Clubber oder Tänzerinnen auf den Cover.

Mittlerweile tauchen manche DJs fast aus dem Nichts oder aus Social Media auf und sind eher Influencer als Musikbegeisterte. Das ist auch nicht viel besser als Paris Hilton damals hinter den Decks. Richtig ernst nehmen kann ich das nicht mehr – Ausnahmen bestätigen meine Regel.

Das Mixmag-Cover 244 aus dem September 2011
Das Mixmag-Cover 244 aus dem September 2011

Sind DJs oder Partygäste schon mal sauer geworden, wenn du sie mit Blitz fotografiert hast?

In mehr als 20 Jahren Partys auf Ibiza und auch in Deutschland habe ich nie Probleme bekommen, wenn ich den Blitz benutzt habe. Bei Konzerten sind Blitze generell tabu, aber in Diskotheken und Underground-Clubs habe ich nie Stress mit den Gästen oder DJs bekommen. Man muss ja nicht übertreiben, und in den Clubs ist meistens eh viel Blitz- und Lichtgewitter. Das scheint mir eher so ein Underground-Ding aus Berlin zu sein. Auf Ibiza ist das Gott sei Dank noch entspannter. Hier freut man sich noch über Fotos von wilden, durchgefeierten Nächten oder Afterhours als Erinnerung – so fing das in den Neunzigern und mit den ersten Digitalkameras bei mir an.

Vor dem Umkleideraum der Manumission (Foto: phrank.net)
Vor dem Umkleideraum der Manumission (Foto: phrank.net)

Welche Fotos der Ausstellung liegen dir besonders am Herzen?

Ich mag den Blick hinter die Kulissen, also ins Backstage. 2005 hatte ich mal einen Nachbarn, der für einen Club und Events das Styling gemacht hat, bei Gore Performance. Den habe ich damals angesprochen, ob ich nicht das Making-of dokumentieren könnte. Das fand er auch super, und so kam ich zu ein paar meiner coolsten Fotos.

Phrank Weyrauther im Club (Foto:
Mag den Blick hinter den Kulissen – und räkelt sich gerne auf dem Dancefloor: Phrank im Club (Foto: phrank.net)

Welche DJs hast du am häufigsten fotografiert? In welchen Clubs warst du am häufigsten aktiv?

Seit 1999 arbeite ich für Cocoon im Amnesia. Später kamen dann noch We Love Sundays at Space und Richie’s Enter im Space dazu. Das waren ein paar meiner größten Techno-Events auf Ibiza. Am häufigsten habe ich wahrscheinlich Sven Väth, Ricardo Villalobos, Richie Hawtin und Nina Kraviz fotografiert.

Ibiza befindet sich im steten Wandel. Welche legendären Orte, welche legendären Partys, die heute nicht mehr existieren, hast du dokumentiert?

Ganz aktuell das Privilege, das nun UNVRS heißt und komplett umgebaut wurde. Dort war die wildeste und größte aller Partys auf Ibiza, die Manumission. Das stylische Penelope, in dem die Monza-Partys waren, später Booom, musste Luxus-Apartments weichen. Das Underground wurde letztes Jahr dicht gemacht – der Name war Programm. Wer weiß, ob die nochmal aufmachen dürfen.

tINI durchwühlt im Underground ihren Plattenkoffer (Foto: phrank.net)
tINI durchwühlt 2024 auf einer der letzten Partys im Underground ihren Plattenkoffer (Foto: phrank.net)

Wie groß ist dein Foto-Archiv und wie behältst du den Überblick darüber? Wie schwer war es, eine Auswahl für Flashback zu treffen?

Jetzt wird es nerdy: Über vier Millionen Fotos. Das ist die Qual der Wahl. Ein paar Fotos wurden schon mal in anderen Ausstellungen oder Medien gezeigt. Einen Teil hatte ich für ein Buchprojekt, an dem ich schon ewig arbeite, zusammengesucht. Allerdings war es trotzdem schwierig, all diese Fotos wiederzufinden. Zig Festplatten, teilweise geänderte Dateinamen und Datenbanken, die ich erst konvertieren musste. So war mein Frühling auf Ibiza. Digital Asset Management – nerdcore.

Über die Jahre habe ich verschiedene Programme zur Verwaltung und Bearbeitung benutzt. Leider sind die meisten auf aktuellen Rechnern nicht mehr lauffähig oder wurden nicht mehr weiterentwickelt – danke an Apple und Phase One, ich liebe euch nicht mehr. Die optimale Lösung habe ich bisher noch nicht gefunden.

Die Ausstellung „Flashback” von Phrank Weyrauther (Foto: Sofia Gomez Fonzo)
Nur einige von vier Millionen Fotos in „Flashback” von Phrank (Foto: Sofia Gomez Fonzo)

Deine Fotoausstellung dokumentiert laut Veranstaltungstext „die Freiheit der Nacht, den Spaß, die Sexyness und die Kultigkeit” Ibizas. Wie viel ist davon heute noch übrig?

Nicht viel. Business-Techno, Social Media und VIP-Areas zerstören den Spirit. Ich habe die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben, und man findet hier und da immer noch geile Partys mit dem Vibe von früher, sonst wäre ich schon lange weg. Keep on Dancing!

Flashback
Backstage Pass To Ibiza’s Clubbing History

Noch bis 3. August
Olas Gallery
Santa Eulalia
Ibiza

Eintritt: Frei

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