DJ Alfredo: Ibiza-Ikone verstorben

Nachdem er bereits 2021 einen Schlaganfall erlitten hatte, ist DJ Alfredo, bürgerlich Alfredo Fiorito, im Alter von 71 Jahren verstorben.

Auch bekannt als „Father of the Balearic Beat”, prägte DJ Alfredo maßgeblich die Szene auf Ibiza, besonders im Amnesia. Mit seinem stiloffenen Sound aus Disco, House, Rock, Pop, Hip-Hop und Weltmusik definierte er die Tanzmusik neu. Als Mentor von DJs wie Danny Rampling, Paul Oakenfold und Sven Väth half er, die Acid-House-Welle des Second Summer of Love loszutreten.

Alfredo Fiorito wurde am 20. April 1953 in Rosario in Argentinien geboren. Dort war er als Musikjournalist und Konzertveranstalter tätig, bis ihn die Militärdiktatur zwang, das Land zu verlassen. Fiorito emigrierte mit 23 zunächst nach Paris, später nach Madrid, bis er sich schließlich auf Ibiza niederließ. Dort verkaufte er Kerzen und selbst hergestellte Latzhosen, bis er im Be Bop, einer Bar, erste Erfahrungen als DJ sammelte. Später vertraute ihm ein nach Thailand reisender Freund die Schlüssel des Amnesia an. Damals befand sich der Club auf der Terrasse eines Bauernhauses – mit Alfredo als unverhofftem Verantwortlichen.

Als Fiorito begann im Club Amnesia aufzulegen, wurde er von den glamourösen Crowd des benachbarten Club Ku (später: Privilege) ignoriert. Er öffnete seinen Club erst in der Samstagnacht um drei, seine Afterhour-Party erstreckte sich bis in den Sonntag. So versammelten sich dort die Nachtschwärmer:innen, nachdem die anderen Clubs ihre Türen geschlossen hatten.

DJ Afredo in den Achtzigern (Foto: Unbekannt)

Während im Amnesia bis zu Alfredos Residency hauptsächlich weiße Rockmusik gespielt wurde und Clubs allgemein von einem bestimmten, auf einzelne Stile fixierten Snobismus geprägt waren, verband Fiorito diverse Genres und Epochen, etwa House, Disco, Hip-Hop, Softrock sowie Pop und Reggae. So entstand ein Sound, der den Bohème-getriebenen Geist der Baleareninsel über Jahre bestimmen würde.

Nebenbei wurde das Amnesia zu einem der größten und bekanntesten Clubs der Welt. „Danke für die Nächte und Beats, die wir gemeinsam geteilt haben. Deine Musik und deine Vision haben den Sound von Balearic Beat und die Seele des Amnesia geprägt. Du wirst nie vergessen werden”, schreibt der Club auf Instagram.

Auch die britische Clubszene prägte Alfredo maßgeblich. Ausschlaggebend dafür waren die Amnesia-Besuche von Danny Rampling, Paul Oakenfold, Nicky Holloway und Johnny Walker in den späten Achtzigern. „Alfredo hatte dieses natürliche Gespür, eine sehr künstlerische, spanische Art, Platten zusammenzustellen und damit eine Geschichte zu erzählen. Und jede Platte, die er spielte, hatte einen eigenen unverwechselbaren Klang”, erklärte Rampling. Daran anschließend entstand die Clubnacht Shoom in London mit einer ähnlich starken Aufgeschlossenheit, wie sie sich im Sound von Fiorito wiederfand. Die Veranstaltung trat den Second Summer of Love los und prägte die klangbezogene Sensibilität der elektronischen Musik der Neunziger mit.

„Er war ein Meister im Mischen von Genres, im Überschreiten von Grenzen und im Schaffen einer Atmosphäre, in der Musik nicht nur gehört, sondern auch tief empfunden wurde”, schreibt Sven Väth in seinem Kondolenz-Post über DJ Alfredo.

Ein Set von DJ Alfredo im Amnesia von 1989 hört ihr hier.

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